Forscher liefern sich “Schießerei” im Labor

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen und der Universität Birmingham haben sich laut dem Max-Planck-Institut eine “Schießerei” im Labor geliefert: Sie wollten beweisen, dass wir uns schneller bewegen, wenn wir auf Geschehnisse unserer Umwelt reagieren, als wenn wir die Handlung selber herbeiführen. Wie das Institut für biologische Kybernetik am Mittwoch mitteilte, wurde die Idee von Westernfilmen inspiriert.

Laut den Forschern bewegen wir uns im täglichen Leben, weil wir uns dazu entschließen oder weil wir durch unsere Umgebung oder die Entscheidungen anderer dazu veranlasst werden. “Wir wollten wissen, ob es Beweise dafür gibt, dass Reaktionen schneller sind als die gleichen Bewegungen, die aus Eigeninitiative entstehen”, sagte Andrew Welchman, Erstautor der Studie und Wissenschaftler an der Universität Birmingham. Dazu forderte der Wissenschaftler jeweils zwei Versuchsteilnehmer zu einem Wettstreit auf: Sie sollten Tasten auf einer Schaltfläche schneller als ihr Konkurrent drücken. Es gab kein Startsignal, also mussten die Probanden entweder auf eigene Initiative handeln oder schneller reagieren als ihr Gegner – genau wie in den Legenden der Revolverhelden.

Nobelpreisträger Niels Bohr seiner Zeit voraus

Das Ergebnis bestätigte laut den Wissenschaftlern die Erwartungen: Die Teilnehmer, die auf die Handlung eines anderen reagierten, waren im Durchschnitt 21 Millisekunden schneller als jene, die diese initiierten. Allerdings passierten bei den Reaktionen mehr Fehler als bei den Aktionen. Diese “quick-and-dirty” Strategie, also das schnelle, aber nicht ganz akkurate Reagieren auf unsere Umwelt, könnte sehr nützlich sein, vermutet der Wissenschaftler: “21 Millisekunden sind zwar nur ein sehr geringer Zeitunterschied und würde unser Leben in einem echten Duell nicht retten, da unser Gehirn allein schon 200 Millisekunden braucht, um auf die Handlung des Gegenüber zu reagieren. Aber dieser Bruchteil einer Sekunde könnte den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten, wenn wir beispielsweise einem Bus ausweichen müssen.”

Das Szenario geht laut Max-Planck-Institut zurück auf Westernfilme aus den frühen Zeiten der Hollywood-Ära: Der Mann, der zuerst die Waffe zog, lag zuerst am Boden. Dies veranlaßte den Nobelpreisträger Niels Bohr (* 7. Oktober 1885; † 18. November 1962) zu der Vermutung, dass wir schneller handeln, wenn wir auf einen Schuss reagieren, als wenn wir selbst die Initiative ergreifen und das Duell eröffnen.
Angeblich soll sich Bohr mit seinem Kollegen George Gamow mit Spielzeugpistolen duelliert haben, um seine Theorie zu beweisen. Er verhielt sich defensiv und gewann trotzdem jedes Mal. Es hatte den Anschein, als habe er Recht gehabt. Tatsächlich war er wahrscheinlich nur ein sehr guter Schütze, vermuten die Max-Planck-Wissenschaftler.

Verweise:
Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen
Universität Birmingham

Wissenschaftliche Veröffentlichung: Welchman, A.E., Stanley, J., Schomers, M.R., Miall, R.C., Bülthoff, H.H., The quick and the dead: when reaction beats intention. Proc. R. Soc. B (2010) 00, 1-8 1, doi:10.1098/rspb.2009.2123.

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