Wissenschaftler haben zum ersten Mal die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf die pflanzliche Artenvielfalt auf globalem Maßstab quantifiziert und räumlich differenziert bemessen, gab die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn am Mittwoch bekannt. Projektleiter Dr. Jan Henning Sommer sprach von “…bisher kaum absehbaren Folgen für die Ökosysteme und den Menschen”.
Der Klimawandel könnte sich deutlich auf die weltweite Pflanzenvielfalt auswirken.
(Bild: (c) Universität Bonn)
Für Deutschland erwarten die Wissenschaftler in Zukunft Klimabedingungen, die mehr Arten Lebensraum bieten. “Dies kann aber nur schwerlich als Gewinn gewertet werden. Wenn es zu einer verstärkten Umverteilung von Pflanzenarten kommt, wird sich die Zusammensetzung der Arten in den verschiedenen Regionen der Welt immer mehr vereinheitlichen. Einzigartige, an besondere Standortbedingungen angepasste Arten würden dadurch mehr und mehr verdrängt werden”, so Sommer vom Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen der Universität Bonn.
Somit fände laut den Forschern auch im Pflanzenreich eine Globalisierung statt. Am negativsten könnte sich laut der Bonner Universität die Erwärmung auf die Artenzahlen der Pflanzen in den tropischen Amazonas-Regenwäldern Südamerikas auswirken.
Hauptverursacher des Klimawandels weniger betroffen
Die Zweiteilung hat laut den Wissenschaftlern auch eine politische Dimension: Begünstigte Gebiete decken sich weitgehend mit den Industrienationen. Durch ihren Ausstoß an Klimagasen sind diese Länder zwar Hauptverursacher des Klimawandels, würden aber deutlich weniger unter seinen Folgen leiden.
Studienhintergrund
Die Ergebnisse erlauben laut den Wissenschaftlern keine konkreten regionalen Vorhersagen, lieferten allerdings ein ein wichtiges Indiz, in welchen Gebieten eine Zuwanderung oder ein Verlust von Arten zu erwarten sei.
Die Forscher untersuchten, wie viele Pflanzenarten unter den heutigen Klimabedingungen in unterschiedlichen Regionen der Erde vorkommen. Den gefundenen Zusammenhang übertrugen sie auf 18 verschiedene Klimawandelszenarien für das Jahr 2100. Gefördert wurde die Studie von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).
Wissenschaftliche Veröffentlichung im “Proceedings of the Royal Society London”.
KOS-Kommentar: Wissenschaftler mahnen seit Jahren einen verantwortungsvolleren Umgang mit der Umwelt an. Leider scheint es am politischen Willen zu fehlen, ernsthafte Konsequenzen aus den gewonnen Erkenntnissen zu ziehen. Laut Tagespresse verhindern vor allem wirtschaftliche Interessen immer wieder das Erreichen gesetzter Klimaziele. Kurzfristig mag dies dem Wohl der Bürger dienen, langfristig bleibt die Lebensqualität auf der Strecke.
Tags: artenvielfalt, Biologie, klima, umwelt

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